t - e x t e  
  Die Wahrheit über das Phänomen "PM"

 
Ein ganz normaler Tag. Die Sonne scheint, die Vögel singen in den Bäumen, die Kinder spielen auf der Straße. Ich bin mit dem Fahrrad unterwegs, wie immer. Der Wind weht mir durch mein Haar. Doch plötzlich, vor mir, ein Rechtsabbieger. Ich denke noch, "...der sieht dich, du hast Vorfahrt! " Aber verdammt, er sieht mich nicht, er guckt ja nicht mal, und biegt ab. Ich reiß meinen Lenker rum, er macht eine Vollbremsung und steht quer auf dem Radweg. "Na", denk ich mir, "Noch mal glück gehabt..." Dann dreh ich mich um, um dem Fahrer meinen Unmut mit einem Handzeichen zu verdeutlichen, und was sehe ich da: "PM" steht da in großen Lettern auf dem Nummernschild. Und mal wieder wurde mein These bestätigt, "PM - die Gefahr ist unter uns!" 
 

 
[ pm ]
 "PM" - Schon beim Anblick des Autokennzeichens
bekommen einige Angst, und laufen weg!


Sie kommen in die Stadt. Ohne Vorwarnung bevölkern sie täglich unsere Strassen. Das Phänomen "PM" ist den Potsdamern nur zu gut bekannt. Denn nahezu jeden Tag kommt man mit dieser Spezies "Mensch" in Berührung. Doch für alle die, denen "PM" noch unbekannt ist, möchte ich "ES" hier vorstellen.
PM steht für Potsdam Mittelmark. Also das Gebiet zwischen Potsdam und dem Rest der Welt. Da es bis vor kurzem dort kaum befestigte Straßen gab, waren Automobile äußerst rar. Die Menschen dieser Region bewegten sich mit Eselskarren fort. Doch, die Wiedervereinigung brachte die Wende! Jetzt begannen reiche Industrielle Wessi's unser Land zu besiedeln. Und auch vor der bis dahin unberührten Mittelmark machten sie nicht halt. Besonders beliebt war das Gebiet bei der Baumarktbranche. Und so entstand dort ein Konsumtempel nach dem anderen. Endlich konnten auch die PMler neue Ziegel für ihre Lehmhütten kaufen. Doch wie sollten sie die Ziegel nach Hause bekommen? Die Esel hatten sie ja samt den Karren den japanischen Touristen verkauft. 'Tja, was nun' dachte sich das PM da. 'Schreiben wir doch mal dem Bürgermeister'. Gesagt, getan. Dem Bürgermeister war's egal, und da der nach der Wende eh' genug Geld aus irgend welchen dubiosen Treuhandgeschäften hatte, beschloß dieser kurzer Hand, auch die Potsdamer Mittelmark an das öffentliche Straßensystem anzuschließen. Doch damit gaben sich die PMler nicht zufrieden, und schrieben abermals dem Bürgermeister. Denn nun hatten sie zwar Straßen, doch nichts außer ihren Füßen, womit sie diese Straßen benutzen hätten können. Der Bürgermeister, voller Angst vor den grobschlächtigen PMlern, erließ nun ein Gesetz, das als "Gesetz zur Integration  der Minderheit PM in den Straßenverkehr und das öffentliche Leben der Potsdamer" in die Geschichte einging. Dieses Gesetz besagt, daß jeder PMler ein Automobil und ein Führerschein zur sofortigen Benutzung zur Verfügung gestellt bekommen muß. Durch dieses Gesetz, daß übrigens bis heute Gültigkeit besitzt, waren nun auch die PMler berechtigt, ein Auto zu fahren, ohne sich einer Fahrprüfung oder sonstigen Tauglichkeitstests unterziehen zu müssen. Das ist der Grund, warum das PM sich heutzutage so zahlreich auf Potsdams Straßen tummelt Dies brachte die Probleme in die Stadt. Denn, konnten die PMler zwar auf ihren Dorfstraßen fahren, da es ja dort außer Kühen nichts zum umfahren gab, doch sah es in der Stadt ganz anders aus. Hier gab es keine Wiesen, die als Auslaufzonen riskanter Fahrmanöver bei Bedarf hätten Mißbraucht werden können. In der Stadt war alles "so eng". Und auch das PM mußte feststellen, daß so eine Fahrspur nur eine gewissen benutzbare Breite hatte.

Das aller Schlimmste ist jedoch, daß sich die PMler spontan entschließen, in die Stadt zu fahren. Da wird dann auch schon mal gerne vergessen, sich die Hände zu waschen, und vom Feld gleich ins Auto gestiegen. Doch läßt es sich mit dem Schlamm vom Kartoffeln ausbuddeln an den Händen und an den Schuhen nicht richtig Lenken, geschweige denn Bremsen. Das mag einer der Gründe sein, warum es oft zu Auffahrunfällen kommt (siehe Foto unten). Die PMler rutschen von der Bremse und durch den Schlamm an den Fingern von Lenkrad, und knallen dem vor ihnen fahrenden  Fahrzeug hinten drauf. Eine Studie von ähm...mir, die auf Zeugenaussagen beruht, besagt, daß 1998 90% der Radfahrer, die in der Innenstadt von Potsdam umgefahren wurden, einem autofahrenden PMler zum Opfer fielen. Diese Tatsachen sprechen für sich...

Aus gut unterrichteten Kreisen konnte ich erfahren, daß jetzt auch schon Potsdams Politiker auf diese massive Bedrohung aufmerksam geworden sind. Das "Gesetz zur Integration der Minderheit PM in den Straßenverkehr und das öffentliche Leben der Potsdamer" wurde kürzlich von den Politkern im Landtag überarbeitet. Es beinhaltet nun folgende Neuerungen: § 1) Jedem PM ist in der Zeit von 6:00 - 21:00 Uhr das befahren der Straßen Potsdams strikt untersagt.  § 2) In der Zeit von 6:00 - 21:00 Uhr kann sich das PM bei der Stadtverwaltung Potsdam kostenfrei einen Tretroller mit Gepäckkorb leihen. Dieser muß nach der Benutzung (sauber) wieder abgegeben werden. § 3) PM-Automobile, die nach 21:00 Uhr die Straßen der Stadt Potsdam  befahren, müssen das nach  Din 123-2346 fluoreszierende Leuchtschild mit der Aufschrift "Achtung, ich bin ein PM" gut sichtbar an ihrem Fahrzeug anbringen.  § 4) Verstöße gegen die § 1-3 werden mit einer Kartoffelspende von 3 Kilogramm an eine karitative Einrichtung geahndet. 

Sollten sich diese Gesetzesänderungen durchsetzen, können wir Potsdamer wieder in aller Ruhe am Straßenverkehr teilnehmen. Doch ich glaube, daß sich auch in diesem Fall die Politiker nicht für das Gerechte einsetzten werden, denn Geld regiert die Welt!

12.06.1999

 
Nähere Erläuterungen zum Text
 
 "das PM"  -  ein PM; ein Wesen aus der Gattung der PMler; oft auch: 'n PM oder nur: PM

 "die PMler"  -  viele PM; Bezeichnung der Gattung PM

 "PM"  -  Siedlungsgebiet der PMler

 

[ pm - crash1 ]
 Hier einer der typischsten Unfälle verursacht durch ein "PM"!



 
[ pm - crash2 ]
 Noch eher harmlos, doch trotzdem relativ hoher Sachschaden
am BMW von D.W.!

    
 


  < back